Zehn Jahre "Kuckucksweg"

(dor) Zehn Jahre alt wurde der Raibacher „Kuckucksweg“ und aus diesem Anlass ein kleines Fest im an der Route liegenden Steinbruch gefeiert. Das gestalteten die Raibacher überwiegend unter sich und füreinander, hatte man doch bewusst auf große Öffentlichkeit verzichtet. Dennoch waren erstaunlich viele gekommen, deutlich mehr als 100 Gäste, darunter auch etliche Wanderer.

Foto: Das neue Ukulele-EnsembleDie Raibacher Ukulele-Gruppe mit Karl-Heinz Busse, die noch nach einem Namen sucht, gab hier ihr erstes öffentliches Open-Air-Konzert, bei dem viel mitgesungen und geklatscht wurde. Ortsvorsteherin Claudia Harms dankte den Beteiligten für ihre Energie, mit der sie dafür sorgten, dass so ein Ort lebe. „Und er lebt ja eigentlich erst aus den Ideen und dem Engagement aller.“

Gerade die Kuckucksweg-AG falle gar nicht so auf, „denn die arbeiten ja immer hier oben“. Zu Zeiten, wo so etwas gar nicht groß angekündigt werde, könne man hier Menschen schaffen sehen. „Ich finde es schön, dass dieses Kulturgut hier erhalten wird“, freute sich die Raibacher Ortsvorsteherin. Dazu gehören Pflege und Rückschnitt in der Umgebung und auch des Wegs, damit der Steinbruch überhaupt erreichbar bleibt, Sandsteine zu errichten, Wege zu kennzeichnen und vieles mehr. "Das ist ja alles auch Teamarbeit." Eine Hütte für Spaziergänger und Wanderer wurde 2011/2012 erbaut.

Foto: Bildhauer Albert GanslerZum Programm an diesem schönen Sonntag mitten im lichten Wald gehörte auch die Bewirtung durch die Dorf-AG, ebenso der Einsatz des Bürgerbusses als Shuttle zum Steinbruch hin und zurück, damit niemand mit dem Auto in den Wald fahren musste. Der Raibacher Gesangverein und Hennes Weiß traten mit einigen Liedern auf, eindrucksvoll demonstrierte Albrecht Gansler das Arbeiten mit und am Sandstein und erläuterte vielen Interessierten seine Berufsbilder Steinmetz und Bildhauer. Auch die Kinder kamen auf ihre Kosten, spielten und kletterten an im Steinbruch befestigten Leinen. Nicht zuletzt die Versorgung mit Speis und Trank klappte wunderbar. Alles funktionierte einwandfrei, und alle fühlten sich pudelwohl.

Foto: Der Raibacher GesangvereinDer gesamte, von der Raibacher sechsköpfigen Arbeitsgruppe geplante und betreute Kuckucksweg ist einerseits eingebunden in den Odenwaldklub - "mit der offiziellen Route R1", schilderte Eberhard Bauer von der AG - zum anderen als Themen-Rundweg im Geo-Naturpark Bergstraße-Odenwald, der alle entsprechenden Geopunkte eingerichtet hat. Der Kuckucksweg ermöglicht eine familienfreundliche Erlebniswanderung über fünf beziehungsweise sechseinhalb Kilometer durch Obstwiesen, Feld, Wald und Flur. Er bietet ungewöhnliche Perspektiven auf das Straßendorf und seine Lage, Panoramablicke bis zum Taunus, einen Exkurs in einen Buntsandsteinbruch und schöne Sitzgelegenheiten. Informationstafeln zu den besonderen Themen „Rund um Raibach“ bereichern das Naturerlebnis. Ein entsprechendes, ausführliches Faltblatt zur Route wurde gerade neu aufgelegt. Start und Ziel ist der Parkplatz an der Gymnastikhalle am „Buschel-Stadion“, wo es neben einer Infotafel für den ersten Überblick auch die Flyer gibt. Alternativ kann der Einstieg auch am Naturparkplatz „Alter Steinbruch“ an der Landesstraße nach Dorndiel erfolgen. Insgesamt zehn thematisch gegliederte Stationen warten auf dem Kuckucksweg. Gut zu bewältigen, sorgen sanfte Anstiege und eine ideale Mischung aus befestigten Feld- und naturbelassenen Waldwegen für ausreichend Abwechslung.

Von der Obstwiesenanlage „Auf dem Buschel“ über das „Vier-Mühlen-Tal“ und der Streuobstwiese führt der Weg auf gleichbleibender Höhe bis zum Steinbruch „Am Heegwald“. Dort, wo auch das Fest zum Zehnjährigen gefeiert wurde, erfährt der Wanderer, dass unter anderem der „Lange Ludwig“ in Darmstadt aus Raibacher Sandstein hergestellt wurde. Eine von vielen sehenswerten Stationen auf dem Kuckucksweg. Die längere Route führt zum offen gelassenen „Alten Steinbruch“ an der Schafkaute, direkt am gleichnamigen Naturpark-Parkplatz und der dortigen Bushaltestelle. Auf dem Binselberg erreicht man ein historisches Wegekreuz, bevor es bergab geht zur „Bachgauer Hohl“, eine von vielen Hohlen, die einst die Hänge rund um Raibach geprägt und den Bach versorgt haben. Von dort geht es zur historischen Ortsmitte. Denn auch ein Spaziergang durch Raibach macht deutlich, dass viele Häuser, Keller und sonstige Bauwerke, beispielsweise am Friedhof, einst aus Sandstein hergestellt wurden. Text: Dorothee Dorschel, Fotos: Reiner Michaelis