Zur „Spätlese“ in die Sporthalle

Foto: Gut bersuchter SeniorennachmittagDer Seniorennachmittag in Raibach bot vergnügliche Stunden bei Wein, Kabarett und Gesang. Wer heute in den Ruhestand geht, der hält es oft mit Udo Jürgens, der einst sang: „Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an, mit 66 Jahren, da hat man Spaß daran.“ Nie waren die Senioren so aktiv und vital wie heute, und entsprechend zählen sich Menschen ab 65 Jahre eher nicht zu den „Ruheständlern“. Sie kümmern sich um Enkelkinder, besuchen Volkshochschulkurse, machen Sport und reisen gern.

Diesen Wandel bemerken seit einiger Zeit auch die Kommunen, die unter Federführung von Ortsbeiräten und Seniorenhilfen die jährlichen Seniorennachmittage ausrichten. Waren früher alle Menschen ab 60 Jahre zu den unterhaltsamen Nachmittagen eingeladen, richten sich die Einladungen inzwischen an jene ab 65 Jahre. Denn wer 60 ist, der möchte sich oft noch nicht zu den Senioren zählen.

In Raibach freut man sich über jeden, der die Einladung von Orts- und Seniorenbeirat wahrnimmt, um in der Sporthalle einige unterhaltsame und gesellige Stunden zu verbringen. „Auch wir merken, dass es einen Wandel gab“, sagt Ortsvorsteherin Claudia Harms. „Daher ist es umso schöner, wenn auch die jüngeren Senioren den Weg zu uns finden.“ Denn es gehe beim Seniorennachmittag vor allem darum, sich zu treffen, Zeit miteinander zu verbringen und bei einem Glas Wein ein schönes Unterhaltungsprogramm zu genießen – unabhängig vom Alter.

So brachte die zweite Fastnachtsgarde aus Dorndiel am Samstagnachmittag jugendlichen Schwung in die Halle. Manuela Dörig trainiert die Mädchen, unter denen auch zwei Raibacherinnen sind. Bei den Gästen kam die Aufführung gut an, wie zwei geforderte Zugaben zeigten. Beim Auftritt des gemischten Chors des Gesangvereins Raibach 1887 unter Leitung von Andreas Mohrhardt waren die Gäste dann selbst gefordert, denn für den Kanon „Singen ist unsere Welt“ brauchte es viele Stimmen.

Das Seniorentheater „Roßdorfer Spätlese“ widmete sich den Besonderheiten der Odenwälder Mundart. Dass es da reichlich Potenzial für Verwirrung und Missverständnisse gibt, fällt erst dann auf, wenn man sich, wie die Darsteller der „Spätlese“, einmal in die Lage eines „Auswärtigen“ versetzt. So hat das Wort „Hämmer“ viele verschiedene Bedeutungen. Es kann einmal als Mehrzahl von „Hammer“ verwendet werden, ein anderes Mal hat es die Bedeutung von „Hemden“. Bemerkt der erstaunte Gast dann, dass die Odenwälder einen sonderbaren Dialekt haben, bekommt er zur Antwort: „Ja, des hämmer!“ Die Verwirrung ist dann komplett.

Foto: Das AbendbuffetIm Odenwald ebenfalls keine Seltenheit ist die mangelhafte Infrastruktur. Auch die Raibacher wissen das, seit es dort keinen Einkaufsladen mehr gibt. Auch die Busverbindungen haben sich bislang nicht verbessert. Wie also die Einkäufe erledigen oder zum Arzt kommen? „Die nachbarschaftlichen Beziehungen hier im Ort sind sehr gut und stabil“, sagt Claudia Harms. „Es gibt eine gut funktionierende Nachbarschaftshilfe. Außerdem organisiert die Seniorenhilfe Einkaufsfahrten in die Kernstadt.“

In einem kleinen Ort wie Raibach sei es besonders wichtig, dass die Einwohner aufeinander achten und sich gegenseitig helfen. Wer also in Raibach, zumindest formal, zu den Senioren zählt, muss sich keine größeren Sorgen um Nahversorgung und Mobilität machen. Und auch für einige Veranstaltungen im Ort ist gesorgt. Zum Seniorennachmittag waren 203 Gäste geladen, unter ihnen 51 Raibacher, die älter als 80 Jahre sind.

Einige von ihnen waren gekommen. Die Ortsvorsteherin freute besonders, dass die älteste Einwohnerin zum Seniorennachmittag gekommen war. Die 94 Jahre alte Margot Faust wurde entsprechend geehrt. Bürgermeister Joachim Ruppert und Stadtverordnetenvorsteher Matthias Kreh sprachen Grußworte, und auch die drei Weinhoheiten besuchten den Seniorennachmittag in Raibach, bei dem die Gäste von der Dorf-AG mit Kochkäse und Wurstspezialitäten bestens bewirtet wurden. Text: Melanie Schweinfurth